Hundeohren sind empfindlich. Zu viel Pflege schadet ebenso wie zu wenig. Dieser Beitrag erklärt, wie Sie Hundeohren korrekt reinigen, warum Wattestäbchen tabu sind, welche Anzeichen für Entzündung oder Milben sprechen – und in welchen Situationen nur der Tierarzt weiterhelfen darf.
1. Saubere Ohren – aber bitte mit Gefühl
Das Ohr des Hundes ist ein sensibles System. Es produziert Ohrenschmalz (Cerumen), um Fremdpartikel, Staub und Mikroorganismen abzufangen und nach außen zu transportieren. Wird zu viel geputzt, entfernt man diesen Schutzfilm – wird gar nicht geputzt, kann sich Schmutz stauen und Entzündungen begünstigen.
Ziel der Pflege ist nicht, das Ohr „steril“ zu machen, sondern es hygienisch, trocken und funktionsfähig zu halten.
2. Wie das Hundeohr aufgebaut ist (und warum das wichtig ist)
Das Gehör des Hundes hat eine spezielle Form: Der Gehörgang verläuft erst senkrecht nach unten und dann im rechten Winkel nach innen. Dadurch sitzt Schmutz selten „tief“ im Ohr – bleibt aber leicht in der Krümmung hängen.
Genau deshalb ist das Risiko groß, mit Wattestäbchen Cerumen tiefer hineinzuschieben, Mikroverletzungen zu verursachen und Bakterien zu verschleppen. Die wichtigste Regel lautet daher: nicht im Ohr „stochern“.
3. Wie oft sollte man Hundeohren eigentlich reinigen?
Die richtige Häufigkeit hängt vom Hund ab:
- Hunde mit Schlappohren (z. B. Cocker Spaniel): meist häufiger reinigen
- Hunde, die viel schwimmen: nach Feuchtigkeit kontrollieren
- Allergiker: regelmäßige, aber schonende Pflege
- gesunde Hunde ohne Probleme: nur bei Bedarf
Eine pauschale Empfehlung („einmal pro Woche“) ist aus dermatologischer Sicht nicht sinnvoll. Besser ist: kontrollieren – und nur reinigen, wenn nötig.
Zeichen dafür sind:
- sichtbarer, weicher Schmutz im Eingang
- leichter Geruch
- mehr Ohrsekret als üblich
Kein Juckreiz, keine Rötung, keine Schmerzen? Dann reicht meist eine milde Reinigung.
4. Schritt-für-Schritt: So reinigen Sie die Ohren richtig
4.1 Vorbereitung
Der Hund sollte ruhig sein. Wählen Sie einen Ort, an dem Spritzer kein Problem sind. Ein weiches Tuch, einige Wattepads und ein geeigneter Ohrreiniger genügen.
Geeignete Reiniger sind:
- pH-angepasst
- alkoholfrei
- ohne Duftstoffe
- mit milden, pflegenden Bestandteilen (z. B. Hamamelis, Panthenol, Milchsäurederivate)
Hausmittel wie Essig, Öle, Kamillentee oder Wasserstoffperoxid gehören nicht ins Hundeohr.
4.2 Anwendung des Ohrreinigers
- Ohrmuschel vorsichtig anheben.
- Eine kleine Menge auf ein Wattepad oder weiches Tuch geben und die äußere Ohrpartie vorsichtig reinigen.
- Ohransatz sanft 30–60 Sekunden massieren – man hört ein „Schmatzen“.
- Hund schütteln lassen – so gelangt gelöstes Material nach außen.
- Dann mit einem weichen Pad den sichtbaren Bereich abwischen – nur dort, wo man mit dem Finger hinkommt.
4.3 Trocknen & Nachpflege
Restfeuchtigkeit sollte aus dem Ohr heraus. Bei Hunden, die viel baden oder schwimmen, ist gründliches Trocknen besonders wichtig, weil Feuchtigkeit Keime begünstigen kann.
Cremes, Salben oder Öle gehören nur bei medizinischer Indikation ins Ohr – und niemals ohne tierärztliche Anweisung.
5. Typische Fehler in der Ohrenpflege – und ihre Folgen
Viele Entzündungen entstehen durch gut gemeinte, aber falsche Pflege:
- Verwendung von Wattestäbchen
- tägliches Reinigen ohne Notwendigkeit
- aggressive Produkte (Alkohol, Duftstoffe, ätherische Öle)
- Hausmittel wie Knoblauch, Essig, Teebaumöl
- Rasieren im Ohrkanal ohne medizinische Notwendigkeit
- Reinigen bei akuten Schmerzen oder starken Entzündungen
Diese Fehler können zu Reizungen, Mikroverletzungen, Pilz- oder bakteriellen Infektionen führen.
6. Warnsignale: Wann Sie sofort zum Tierarzt sollten
Selbstpflege hat Grenzen. Zum Tierarzt gehört ein Hund, wenn:
- das Ohr deutlich riecht (süßlich, faulig)
- starker Juckreiz, Kopfschütteln, Reiben auftreten
- die Haut gerötet, geschwollen oder warm ist
- Sekret gelb, dunkelbraun oder eitrig erscheint
- sichtbare Schmerzen bestehen
- immer wieder Ohrprobleme auftreten
- Verdacht auf Milben, Fremdkörper oder Allergie besteht
Eigenbehandlungen mit Medikamenten „auf Vorrat“ sind riskant – besonders bei Trommelfellproblemen.
7. FAQ
Soll man Haare aus dem Ohrkanal auszupfen?
Nur, wenn der Tierarzt es empfiehlt. Unnötiges Zupfen reizt die Haut und begünstigt Entzündungen.
Kann ich Ohren nur mit Wasser spülen?
Nein. Wasser bleibt im Ohr, fördert Keime und verändert den pH-Wert. Immer geeignete Ohrreiniger verwenden.
Mein Hund schüttelt ständig den Kopf – erst reinigen oder erst Tierarzt?
Bei deutlichem Juckreiz, Schmerz oder Geruch: zuerst Tierarzt, dann Pflege.
Wie erkenne ich Ohrmilben?
Typisch ist dunkles, krümeliges Sekret und starker Juckreiz – bestätigt wird dies jedoch nur per Ohrabstrich beim Tierarzt.
